Das Metallgefüge und seine Bearbeitung

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Betrachtet man Edelmetalle unter dem Mikroskop, so zeigt sich, dass sie nicht amorph sonder kristallin aufgebaut sind. Charakteristisch für diese Metalle ist ihre besondere Eigenschaft zu rekristallisieren.
Das ermöglicht spezielle Bearbeitungsvorgänge, in denen das Material entsprechend des gewünschten Härtegrades verarbeitet wird. Gießt man Gold in Form eines Würfels, bilden sich relativ große Kristalle, wodurch dieses eine relative Weichheit erhält. Durch mechanische Bearbeitung lässt sich dieses kirstalline Gefüge und die Materialoberfläche des Goldkörpers verändern. Walzt man diesen Würfel aus, kommt es zu einer Dehnung des Metallgefüges und führt damit dazu, dass das Edelmetall sehr hart wird.
Das Metallgefüge weist dann eine sehr kleinkörnige Struktur auf. Würde man das Material nun weiter bearbeiten, würde es brechen.
Nun besteht aber bei Edelmetallen die Möglichkeit, das Gefüge durch Ausglühen rekristallisieren zu lassen. Wird das Edelmetall „rotglühend“ gemacht, bilden sich die Kristalle wieder und das Material erhält seine ursprüngliche Weichheit.
Diesen Vorgang des Bearbeitens und Ausglühens kann bei Gold so beliebig oft wiederholt werden, dass man aus einem Würfel eine Folie fertigen kann, die so dünn ist, dass man durch sie hindurchsehen kann.

Silber hat prinzipiell dieselbe Eigenschaft, die Anzahl der möglichen Ausglühvorgänge ist allerdings im Vergleich zu Gold deutlich niedriger. Der Einfluss des bearbeiteten Metallgefüges auf den Flötenklang zeigt sich beispielsweise im Vergleich zweier Rohre, die auf der gleichen Silberlegierung basieren, jedoch unterschiedlich verarbeitet sind.
Einerseits als hart gezogenes Rohr verarbeitet, das eine leichte Ansprache und einen brillianten Ton ermöglicht, andererseits als ausgeglühtes Rohr gefertigt erhält der Klang eine charakteristische Weichheit, Grobkörnigkeit und Rundheit und vermittelt zudem das Gefühl einer weniger direkten Ansprache.